11 August 2021

Neue Streaming-Formate der videogestützten Simulation

Marlon Schuhfleck
Marlon Schuhfleck
Communications Manager

Unvermeidliche Begleitumstände von COVID-19 wie Lockdown, Quarantäne und Social Distancing hatten gravierende Auswirkungen auf unser Verständnis und die Möglichkeiten von Zusammenarbeit, Kommunikation und Bildung. Zentrale Themen, die nicht zuletzt auch das Potenzial und den (Wirkungs-)Bereich von videogestütztem Simulationstraining definieren. Ein effektiver Lösungsansatz auf viele mit der Pandemie verbundenen Herausforderungen bestand und besteht in der fortschreitenden Digitalisierung von Information und der Ausweitung von damit verknüpften Online-Kanälen. Liefert dieser Ansatz auch der videogestützten Simulation einen Ausweg, um mit dem „herkömmlichen Betrieb“ fortzufahren?

Professionelle Simulationstrainings und Informationstransfer gehen Hand in Hand. Zum einen ist die gezielte Informationsverknüpfung von präzise definierten Systemebenen – Briefing, Simulation, Kontrolle und Debriefing – per se eine grundlegende Voraussetzung für den Erkenntnisgewinn eines Simulationstrainings. Zum anderen verbleibt dieser Nutzen ohne die Kanäle einer systematischen Datenverbreitung ein rein singulärer, ein nicht reproduzierbarer. Erst die informationstechnische Verarbeitung sowie interne/externe Aufbereitung und Kommunikation der einzelnen Erkenntnisbausteine kann zu einem praktischen Mehrwert führen und die anvisierten Ziele erfüllen: geregelte Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten und langfristige Sicherung/Erhöhung von Qualitätsstandards.

Dergestalt offenbart sich professionelles Simulationstraining als ein vielseitiges Informationsgeflecht; ein Geflecht mit durchaus großen Anforderungen hinsichtlich der schieren Menge, der Formatvielfalt sowie der Übertragungsqualität und -Schnelligkeit der damit transportierten Informationen. Die umfangreichen Datenmengen müssen in Echtzeit zugänglich, verständlich aufbereitet, teilbar und messbar sein. Diese essenziellen Kriterien verdeutlichen den großen Vorteil von AV-Systemen bei professionellen Simulationstrainings. AV-Systemlösungen, die videobasiert verlaufen, können derart komplexe Informationsfunktionen sinnvoll unterstützen – und zugleich trotz funktionaler Präsenz nahezu im szenischen Hintergrund verschwinden.

COVID-19: der Katalysator der Digitalisierung

Komplementär zur szenischen Hintergrundfunktion von AV-Systemen trat für uns alle in den letzten 18 Monaten vor allem eines bestimmend in den Vordergrund: die Pandemie. COVID-19 betraf und betrifft sämtliche sozialen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bereiche. Der Bereich medizinische Simulationstrainings nimmt hier keine Ausnahmeposition ein; im Gegenteil, die Verortung im medizinischen Sektor brachte prekäre Auswirkungen mit sich. Eine präklinische In-Situ-Simulation in Zeiten des Lockdowns, großer Ansteckungsgefahr und hoffnungslos überfüllter Gesundheitsinstitutionen? Keine Option. Und doch spielt professionelle Simulation durch ihre inhärenten Möglichkeiten des Skills-Trainings, der Kommunikation- und Prozessoptimierung natürlich eine wichtige Rolle: gerade in Zeiten, in denen das globale Gesundheitssystem an seine personellen, strukturellen und ökonomischen Grenzen gerät; in denen das praxisorientierte Training im Simulationsbereich im Ernstfall einen lebensnotwendigen Unterschied für Patienten, aber auch medizinisches Personal und Angehörige etc. bedeuten kann. Doch wie kann videogestütztes Simulationstraining diese wichtige Rolle erfüllen?

Neben allem anderen war COVID-19 bekanntermaßen auch ein Katalysator der Digitalisierung. Dies ist auch für den Bereich des videogestützten Simulationstrainings von Bedeutung – speziell angesichts der engen Verflechtung von Simulationserfolg und Informationstransfer. Die forcierte Digitalisierung von Informations- und Kommunikationskanälen etabliert(e) neue Formen der (räumlich distanzierten) Zusammenarbeit, des Austausches. Begünstigt dies prinzipiell den Bereich der videogestützten Simulation? Man ist geneigt, diese Frage zu bejahen. Und doch lautet die Antwort „Nein.“ Das „Ja“ offenbart sich erst über Umwege.

Beginnen wir mit dem „Nein“. Trotz den Vorzügen der Digitalisierung erschwerten die Pandemie samt ihren Auswirkungen die „herkömmlichen“ Formen videogestützter Simulation – wie präklinische, oder klinische In-Situ-Simulationen. Warum? Im Wesentlichen, weil klassische Simulationsaufbauten Simulation und Debriefing von bestimmten Faktoren abhängen:

  • Simulation/Debriefing als Training in der realen/tatsächlichen Arbeitsumgebung
  • Simulation/Debriefing als Trainingsort der praktischen Ausübung
  • Simulation/Debriefing als Ort der direkten menschlichen Interaktion
  • Simulation/Debriefing als geschlossener Safe Place für Teilnehmer

Diese Faktoren eines „herkömmlichen“ videogestützten Simulationstrainings lassen sich nicht einfach auf den digitalen Bereich übertragen. Vielmehr läuft eine 1zu1-Übertragung in den Online-Bereich eben diesen Prämissen zuwider. Was es vielmehr braucht, sind neue Arten und Formate der Informationsverarbeitung/-Verteilung, um auch unter erschwerten Bedingungen Erkenntnis und einen Mehrwert aus Simulationen ziehen zu können. Wir nähern uns damit dem „Ja“. Wir richten den Blick auf neue Möglichkeiten und Chancen der videogestützten Simulation: im Speziellen auf neue Formen und Formate derselben.

Der Bedarf an neuen Simulationsformaten

Dass großer Bedarf und die Dringlichkeit nach neuen (Lern-)Formaten der videogestützten Simulation bestand, war 2020 offenkundig. Es musste der Betrieb und der damit verbundene Bildungsauftrag unter schwierigen Umständen aufrechterhalten werden. Medizinische Institutionen suchten nach sicheren Trainings-, Forschungs- und Ausbildungsformen für Mitarbeiter und Studenten, und nicht zuletzt galt es zudem, die ökonomische Entwicklung und viele Arbeitsplätze zu sichern.

Die Dringlichkeit, neue Lösungen zu finden, verdeutlichte sich dabei nicht nur in zahlreichen Gesprächen, Sitzungen und Webinaren mit unseren Kunden und Distributoren, sondern fand seinen Ausdruck auch in zahlreichen Papers und Veröffentlichungen der medizinischen Branche. Als beispielhaft für das damit verbundene Potenzial videogestützter Simulationssysteme mag etwa eine Abhandlung von Peter Dieckmann gelten [Peter Dieckmann et al.: The use of simulation to prepare and improve responses to infectious disease outbreaks like COVID-19: practical tips and resources from Norway, Denmark, and the UK. - In: Advances in Simulation. 2020; zuletzt aufgerufen am 15.07.2021].

Dieses Paper ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Neben der zentralen medizinischen Frage, wie der systematische Einsatz von Simulationsmethoden einen vielfältigen Beitrag zum Umgang mit der Pandemie liefern kann, werden konkrete Fragen zur modifizierten Anwendung von Simulationssystemen aufgeworfen. So findet sich bspw. in Tabelle 2 die gezielte, sehr praxisfokussierte Koppelung der Begriffe „Simulation/education modality“, „Target group“ und „(Learning) goal“. In unserem spezifischen Kontext formulieren wir diese Begriffskonstellation als Frage um: Welche Zielgruppe kann ich zum Zwecke eines konkreten Lernziels mit welchem Format erreichen?

Dankenswerterweise liefert der pragmatische Ansatz des Papers zugleich zahlreiche Impulse zur Lösung dieser Frage. Verschiedenste Formate werden – gekoppelt mit möglichen Lernzielen – aufgelistet: E-learning, Case discussions, Lectures, Pre-recorded remote lectures, Skills training, Teaching videos, Demonstrations, Checklists, Walkthroughs of rooms, Mockups, etc. In dieser Hinsicht zeigt sich das Paper als präskriptiver, beeindruckend vielseitiger Katalog für denkbare Verwertungsformate von videogestützten Simulationen.

Streaming – der Kanal für neue Formate

Auch wenn wir als Dienstleister generell an der strategischen Online-Anbindung der SIMStation Systeme arbeiten – z.B. Möglichkeiten der Online-Einschulung von Kunden, Support und Wartung per Remote-Zugriff (spannende Aspekte, die wir euch gern in zukünftigen Blog-Beiträgen näher präsentieren) – so inspirierte uns der o.g. Beitrag doch mit seinen zahlreichen Impulsen, unser Angebot konkret weiterzudenken, weiterzuentwickeln. Im Speziellen die Frage, welche Formate sich in welchem Kontext über Online-Streaming-Kanäle sinnvoll verwirklichen und einsetzen lassen, offenbarte sich als äußerst produktiv.

Welche Formate sind also unter den Umständen denkbar und wie lassen sie sich schnell und einfach verwirklichen? Und wie realisiert man eine Umsetzung mit den Mitteln, die einem zur Verfügung stehen? Die Antwort auf diese Fragen war so einfach wie überzeugend: mit den SIMStation Systemen selbst. Gehen wir zu Erläuterung nochmals einen Schritt zurück. Sämtliche o.g. Formate (E-Learning, Lectures, Demonstrations, etc.) lassen sich als mediale Inhalte verstehen, die übertragen werden können. Noch genauer gesagt: multimediale AV-Formate für den Online-Stream. Und eben hierbei handelt es sich um eine Kernkompetenz der SIMStation Systeme: das gezielte Recording, die Bearbeitung und die Übertragung von audiovisuellen Inhalten. Beste Voraussetzungen, um neue Formate zu entwickeln und diese per Stream zu teilen. Sowohl die Hardware (Kameras, Mikrofone, Lautsprecher, etc. als auch die Funktionen der Software sind exakt darauf ausgerichtet. Für die Umsetzung als Stream bedarf es lediglich einfacher System-Adaptionen der Hard- & und Software – schnell und kostengünstig umsetzbar.

Unser Ansatz für neue Simulationsformate per Online-Stream vollzieht sich in 3 Schritten:

  1. Definieren Sie das Format. Entscheiden Sie, welches Format angesichts der anvisierten Zielgruppen und Lernziele das vielversprechendste ist. Theoretische Sachverhalte lassen sich etwa als Vorlesung/Webinar besser kommunizieren als mit Checklisten und Tabellen. Um praktische Skills vorzuführen, bietet sich ein demonstrierendes Tutorial oder ein Recording aus dem Archiv an. Eine Analyse von Prozessabläufen und Raumaufteilungen vollzieht sich am besten mit einem Walkthroughs. Viele Formate lassen sich bereits vollständig über die SIMStation Software bewerkstelligen (etwa über den Datenexport aus dem Archiv; bspw. Recordings der Simulationstrainings samt den Annotationen in Excel-Form).
  2. Errichten Sie mit Ihrem AV-System samt SIMStation Software ein eigenes Filmstudio. Mit dem SIMStation System steht Ihnen hinsichtlich Video/Audio-Qualität die gesamten Hardware-Komponenten wie Kameras und Mikrofone, hinsichtlich Bearbeitungsmöglichkeiten das funktionale Software-Paket zur Verfügung. Das AV-Equipment mit zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten steht bereit. Nutzen Sie es.
  3. Es gilt nun, Ihre definierten und produzierten Inhalte zu verbreiten. Dazu benötigen Sie geeignete, jeweils auf Ihre Zielgruppe abgestimmte Kommunikationskanäle - und die Möglichkeit, diese mit Ihrem SIMStation System zu verknüpfen.

Hinweise zur Umsetzung

Bei der Nutzung von Streaming-Formaten sind bestimmte Vorab-Überlegungen von großer Wichtigkeit. Neben der Frage des Formats müssen die Zielgruppen (Größe der Zielgruppe, technische Ausstattung, digitale Affinität etc.) und die Form der Rezeption (klassische Sender-Empfänger-Konstellation, interaktive Möglichkeiten, partizipative Teilnahme) klar definiert werden. Essenzielle Themen wie Datenschutz und Privatsphäre spielen hierbei eine maßgebliche Rolle und müssen stets mit bedacht werden.

Ebenso gilt es, die Ansprüche an die Übertragung (Übertragungsqualität, Liveübertragung oder Recordings, multimediale Inhalte etc.) im Vorfeld zu klären und eine dazu passende Streaming-Plattform zu finden. Die Auswahl der Plattform wird natürlich ebenso durch die Verwendung und Verfügbarkeit bei der anvisierten Zielgruppe beeinflusst etc. ... Das Wechselspiel all dieser inhaltlichen, kommunikativen und technischen Aspekte bestimmt also das konkrete Setup, um bestmögliche Ergebnisse beim Online-Stream zu erzielen.

Der technische Aufbau der Streaming-Erweiterung erfordert eine Anpassung an das jeweilige SIMStation System: Individuelle Systemlösungen erfordern individuelle Erweiterungen. Das grundlegende Prinzip – die Koppelung des Systems an einen Streaming-PC mit Hilfe eines Video Grabbers und eventueller Software-Schnittstellen – ist jedoch stets dasselbe. Eine genaue Anleitung und konkrete Beispiele dazu folgen demnächst in einem separaten Blog-Beitrag meines Kollegen Andreas.

Abschließend ist festzuhalten, dass mit den SIMStation Systemen nicht nur die prinzipiellen Möglichkeiten, sondern auch die technischen Mittel gegeben sind, um neue Anwendungsformen von videogestützter Simulation zu entdecken und strategisch nutzen zu können: neue Lern-Formate, neue Interaktionsoptionen, neue Kommunikationskanäle. Mit diesem Potenzial reihen sich diese innovativen Formate in die Entwicklung unseres Unternehmens ein. Sie offenbaren sich als essenzieller Bestandteil der All New SIMStation.

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Gute Nachricht: Mit dem Besitz eines SIMStation AV-Systems verfügen Sie über eine hervorragende technische Basis, um sowohl komplexe Streaming-Formate zu entwickeln als auch Aufnahmen zur Erstellung von Lehrfilmen zu produzieren.